Um den weiblichen Höhepunkt ranken sich viele Rätsel um Mythen. Obwohl ein Höhepunkt nicht unbedingt mit Befriedigung gleichzusetzen ist, ist er das Barometer, an dem man messen kann, ob der Sex gut war oder nicht. Der weibliche Orgasmus kann dabei schnell kommen, ewig auf sich warten lassen oder überhaupt nicht eintreten. Er kann unglaublich befriedigend sein – gleichzeitig aber auch Schwierigkeiten bereiten, wenn er nicht so oft vorkommt, wie es eigentlich nach der Fall sein sollte. Fest steht, der weibliche Höhepunkt ist ein wenig komplizierter als der des Mannes.

Der weibliche Körper durchläuft beim Orgasmus mehrere Phasen. Zu Beginn steht die Erregung, ohne diese geht logischerweise gar nichts. Anders als beim Mann, der in Sekundenschnelle „bereit“sein kann, dauert es bei der Frau etwas länger. Bis zu 30 Minuten sind manchmal nötig, damit sie in der richtigen Stimmung ist. Deswegen ist für Frauen auch ein gutes Vorspiel so wichtig. Eine erregte Frau lässt sich an harten Brustwarzen, einer angeschwellten Klitoris und einer feuchten Scheide erkennen. Die nächste Phase ist die kurz vor der sexuellen Explosion. Ihr Puls steigt an, der Atem wird schneller, bis sie endlich „kommt“. Dann ist er endlich da, der herrliche Orgasmus, der wellenartig durch den Körper der Frau fährt, ihren Herzschlag pulsieren und den Dopaminpegel steigen lässt und ihr mit heftiger Intensität Glücksgefühle beschert. Ihr Orgasmus dauert im Schnitt 10 bis 15 Sekunden. Danach folgt Stille und eine einzigartige Entspannung vom Kopf bis zu den Zehenspitzen.

Beim Sex erleben Frauen nur selten einen Orgasmus

Leider ist der weibliche Orgasmus aber oft mit harter Arbeit verbunden und keine Selbstverständlichkeit. Nur rund 21 Prozent aller Frauen kommen Umfragen zu Folge regelmäßig beim Sex, viele erreichen selten oder nie einen Höhepunkt. Jedenfalls ist es ein Irrglaube bei vielen Männern, dass sie einfach mal ein bisschen machen müssen und dann kommt die Frau schon auf ihre Kosten. Man(n) muss sich viel Mühe geben bei der Frau und sie oft auch zusätzlich klitoral stimulieren, damit sie wirklich in den Genuss eines Höhepunktes kommen kann. Und wer ihr solche fantastischen Glücksgefühle beschert, wird garantiert mit viel Sex dafür belohnt.

Die Gründe dafür, dass viele Frauen es schwer haben einen Orgasmus zu erleben sind vielfältig. Dazu gehören u.a. fehlende Entspannung und Stress, ein zu kurzes Vorspiel, Konflikte in der Partnerschaft und manchmal auch körperliche Ursachen wie Hormonunstimmigkeiten, Diabetes, Übergewicht, Nervenschäden nach operativen Eingriffen oder Nebenwirkungen von Arzneimitteln. Dennoch gehören diese Ursachen zur Minderheit. Der Hauptgrund, warum viele Frauen beim Geschlechtsverkehr nur selten bis nie den Höhepunkt erreichen, ist, dass ihre Klitoris dabei nur unzureichend stimuliert wird. Schuld sind dabei nicht immer die Fähigkeiten des Mannes oder die Größe des Penis, sondern vielmehr die anatomischen Gegebenheiten der Frau.

In der Regel wird die Klitoris beim Geschlechtsverkehr auf zwei Wegen stimuliert:

• Zum einen wird sie durch die indirekten Bewegungen der inneren Schamlippen stimuliert. Sie laufen nämlich oben an der Klitoris zusammen und zupfen jedes Mal an der Klitoris, wenn sich der Penis rein und raus bewegt.
• Zum anderen wird sie durch das Anstoßen des männlichen Beckens am Venushügel stimuliert (vorwiegend in der Missionarsstellung). In der Doggy-Stellung übernimmt der Hodensack den Part der Stimulation.

Bei einigen Frauen reicht dies aus, um einen Höhepunkt zu erreichen. Doch für die meisten ist diese Stimulierung oft zu unregelmäßig, zu uneinheitlich und nicht intensiv genug, um die Klitoris ausreichend zu reizen. Die Klitoris bekommt einfach die nicht die gleiche Intensität an Stimulation, die der Penis des Mannes beim Geschlechtsverkehr bekommt (regelmäßig und durch den Scheidenkanal von allen Seiten). Das Resultat ist, dass Männer ihren Orgasmus sehr schnell erreichen – leider oft zu schnell – und Frauen aufgrund der unzureichenden Stimulation oftmals ohne Höhepunkt bleiben bzw. sie sehr lange brauchen, um einen Orgasmus zu bekommen.

Abhilfe kann zum Beispiel die Stimulation mit der Zunge (Cunnilingus) oder mit den Fingern schaffen. Auf diese Weise lässt sich die Klitoris sehr feinfühlig und sehr gleichmäßig stimulieren, der Höhepunkt wird deutlich leichter erreicht. Man könnte sagen, dass es der einfachste Weg ist, eine Frau zum Orgasmus zu bringen. Aus diesem Grund empfehle ich dir, dich ausgiebig mit der Kunst der manuellen und oralen Stimulation zu befassen.

Schließlich haben regelmäßige sexuelle Höhepunkte bzw. ein ausgefülltes Liebesleben vielfache positive Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele der Frau. Nach jedem Orgasmus werden zahlreiche Hormone ausgeschüttet, mit unterschiedlichen willkommenen Wirkungen. So haben Frauen, die mindestens einmal wöchentlich in den Genuss eines Orgasmus kommen, laut Studien mehr Östrogen im Körper, was dazu führt, dass ihre Haut jugendlich straff bleibt, ihr Haar gesund ist und das Bindegewebe gestärkt wird. Untersuchungen zur Folge sehen Frauen mit einem erfüllten Liebesleben zudem um die fünf Jahre jünger aus und kommen durch die beim Sex produzierten Östrogene später in die Wechseljahre. Des Weiteren stärkt das beim Liebesspiel ausgeschüttete Hormon Oxycotin das Immunsystem und baut Stress ab.

Durch die Glückshormone Serotonin und Dopamin fühlt man sich glücklich, zufrieden und wohl. Menschen mit regelmäßigen Sex leiden weniger unter Depressionen und Angstgefühlen. Ein weiterer positiver Effekt von Orgasmen ist, dass durch die ausgeschütteten Endorphine das Schmerzempfinden sinkt; Migräne oder Kopfschmerzen verschwinden oder werden als weniger intensiv wahrgenommen. Außerdem macht Sex kreativ, da der Geschlechtsakt nämlich auch positiv auf die Gehirnzellen wirkt. Vor allem aber fühlen sich Frauen (und auch Männer) nach dem Sex herrlich entspannt und das schon angesprochene Oxycotin weckt neue Verliebtheitsgefühle für den Partner. Laut einer amerikanischen Psychologin empfinden Frauen, die regelmäßig zum Orgasmus kommen, stärkere Zuneigung für ihren Partner und fühlen sich ihm intensiver verbunden.

 

Wenn Frauen nicht zum Höhepunkt gelangen

Wenn das „Happy End“ beim Sex häufig ausbleibt, führt das nicht selten dazu, dass Frauen ihren Orgasmus vortäuschen. Es gibt diverse Zahlen und Statistiken zu diesem Thema. Laut einer US-Umfrage mit 366 Frauen im Alter von 18 bis 32 Jahren waren es 60% die ihrem Partner schon einmal einen Orgasmus vorgetäuscht haben. Andere Statistiken sprechen von rund 70% der Frauen und das Berliner Universitätskrankenhaus Charité kam bei einer Umfrage zu dem Ergebnis, dass sogar 90% aller Frauen ihrem Mann oder Freund schon mal vorgemacht haben „gekommen“ zu sein. Viele davon machen dies nur ab und zu, aber einige gaben auch an noch nie einen echten Orgasmus gehabt zu haben. Andere Frauen wiederum äußerten, angesprochen auf alle ihre bisherigen Beziehung, dass sie nur mit der Hälfte der Partner zum Höhepunkt kamen. Fast jede Frau hat es also schon getan – die Orgasmuslüge.

Was aber sind eigentlich die Gründe, die Frauen dazu bewegen ihren Partnern einen Orgasmus vorzutäuschen? Und wann machen Sie dies und wann nicht? In der schon genannten Studie des Berliner Charité wurden die 90% der Frauen, die schon mal einen Höhepunkt vorgetäuscht haben, auch nach den Gründen gefragt. Demnach gaben 41% an, dass sie es aus Liebe machen und um dem Partner Bestätigung zu geben. 25% der Frauen sagten aus, dass sie es beschleunigen wollen, dass der Mann „kommt“. 15,9% gaben an, dass sie sich dem Partner irgendwo verpflichtet fühlen auch zum Höhepunkt kommen zu müssen und immerhin 14,7% haben Angst ihrem Mann bzw. Freund zu gestehen, dass sie keinen Orgasmus hatten.
Daniela, 28 aus Berlin, gibt interessante Einblicke wie es bei ihr ist: „ Manchmal täusche ich meinen Höhepunkt einfach vor, wenn ich eh merke, dass ich zu unentspannt bin um zu kommen und um es dann zu Ende zu bringen. Damit vermeide ich danach Erklärungen und eventuelle Konflikte. Manchmal aber auch täusche ich vor, damit mein Freund nochmal alles gibt beim Sex und dann komme ich häufig sogar auch noch“.

Weitere Erklärungen, was manchmal der Grund für einen vorgespielten Orgasmus sein kann, liefert Astrid, 31 Jahre alt aus München:
„Gerade am Anfang meiner Beziehung zu Marc, meinem Freund, kam ich beim Sex überhaupt nicht. Ich wollte aber nicht, dass er mich irgendwie für anormal hält und ich wollte auch seine Erwartungen erfüllen, aus Angst, dass er mir womöglich noch fremdgeht, wenn er das Gefühl hat bei mir zu versagen. Deswegen habe ich es vorgemacht.“

Mandy, 22 aus Braunschweig, sagt zu dem Thema: „Ich denke, dass Männer Frauen die beim Sex nicht kommen, nicht gerade sexy finden. Es enttäuscht sie und törnt sie ab. Und da ich nicht will, dass mein Freund mich unsexy findet, tue ich halt so als ob, auch wenn ich nicht immer zum Orgasmus komme, wenn wir miteinander schlafen“.

So erkennt man einen weiblichen Orgasmus

Viele Männer glauben, sie könnten einen vorgetäuschten von einem echten Orgasmus unterscheiden und gehen folglich davon aus, dass es ihnen nie passieren kann in dieser Hinsicht von ihrer Frau was vorgemacht zu bekommen. Diese Thematik wurde auch in Rob Reiners Film „Harry und Sally“ thematisiert, als Sally, gespielt von Meg Ryan, ihrem Freund Harry in einem Restaurant demonstriert, wie echt ein vorgetäuschter Orgasmus wirken kann.

Es ist also nicht immer leicht einen unechten von einem echten Orgasmus bei der Frau zu unterscheiden, es sei denn, sie erlebt eine weibliche Ejakulation. In der Regel merkt man es nicht, auch wenn alle Männer meinen, sie könnte man nicht täuschen. Dennoch gibt es ein paar wichtige Anzeichen, worauf Männer achten sollten und die für eine Frau schwer zu spielen sind. Lautes Stöhnen, harte Brustwarzen oder ein rot angelaufenes Gesicht sind nicht zwingend ein Indiz für einen „Happy End“.

Ein viel wichtigeres Indiz sind die kräftigen rhythmischen Kontraktionen der Scheidenmuskulatur (rund 8-13x) und dem damit verbundenen „Zucken“ des Kitzlers, die man beobachten kann. Diese sieht man am besten, wenn man die Partnerin mit den Fingern oder mit dem Mund zum Höhepunkt bringt. Wie das am besten gelingt, zeigen ich dir unteranderem in meinen kostenlosen Ratgebern, die du hier downloaden kannst.